Familie Cella Johann Jakob Cella
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Mattheo Cella (1718-1789)
JOHANN JAKOB CELLA
(1756-1820) Jurist
Gustav Cella (geb. 1801, General)
Gustav Cella (geb.1832, Hauptmann)
Gustav Cella
Frieda Cella
Georg Cella (geb. 1882)
Renate Cella (geb. 1932)

Hier entsteht eine Familienchronik über die Vorfahren meiner Mutter Renate Runck, geborene Cella.
Die herausragende Person meiner Vorfahren war dabei Johann Jakob Cella. Der Kasten links
zeigt die Linie der Vorfahren, angefangen vom Vater des Johann Jakob Cella bis zu meiner Mutter.

Wer weiß mehr über Dr. Johann Jakob Cella oder über seine Nachfahren? Bitte E-Mail an mich senden! (Dorothea@runck.de)

Der Schattenriss zeigt Johann Jakob Cella (Wetzlarer Silhouettensammlung, 1776). Die folgenden Zeichnungen sind von Leo Samberger (1861-1949) als er 10 Jahre alt war, ein Enkel von Gustav Cella (1801). Später wurde er Maler.

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Johann Jakob Cella (geb. 1756)

Wenn überhaupt von fleischlichen Vergehungen wahr ist, daß sie an und für sich kein eigentliches peinliches Verbrechen ausmachen: so gilt dies vorzüglich auch von der Unzucht, wo das unerlaubte darinn liegt, daß man den Trieb zur Begattung gegen die Ordnung, gegen den Zweck der Natur zu befriedigen sucht. ... Daß der Mensch selbst sich dadurch ruinirt, sich und seinen moralischen Karakter entadelt, macht ihn an und für sich so wenig zum peinlichen Verbrecher, als der es ist, der durch unnatürlichen Genuß starker Getränke sich zum unbrauchbaren siechen Menschen macht, oder nach und nach gar zu tod sauft. (Johann Jakob Cella, 1787).

Obiges Zitat meines Urururgroßvaters findet sich auf einer Internetseite der Universität Wien. Wenn es um rechtliche Standpunkte zum Urheberrecht in der Goethezeit oder um Abhandlungen zum freien Willen bzw. angeborenen Verhaltens geht, finden Zitate von Johann Jakob Cella immer noch Eingang in Diskurse und rechtsphilosophische Betrachtungen an deutschsprachigen Unis. Auch an der Ruhr-Universität Bochum, der Uni Paderborn und der FU Berlin wird der Jurist und Autor Cella auf Literaturlisten angeführt.

"Der Verfasser ist und bleibt einziger, beständiger Eigenthümer des Buchs ...". Auch so ein Zitat, über das im Internetzeitalter trefflich diskutiert werden kann. (Zitat aus den "Freymüthigen Aufsätzen".)


Wer aber war der Mensch Johann Jakob Cella?

Meine Großmutter Margarethe Cella trug die Lebensgeschichte meines Urururgroßvaters Johann Jakob Cella zusammen:

"Johann Jakob Cella wurde am 27. Februar 1756 in Bayreuth geboren. Sein Vater, Mattheo Cella, der aus Korsika stammte, war Haushofmeister bei der zweiten Gemahlin des Markgrafen Friedrich von Bayreuth, der Markgräfin Sophia Caroline Maria aus dem Hause Braunschweig, mit der er später in ihren Witwensitz zu Erlangen mit seiner Familie übersiedelte. Hier besuchte Johann Jakob das Gymnasium, studierte dort und in Göttingen Jura, und war dann, drei Jahre nach Goethe, Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar.

Er traf noch viele von Goethes Freunden an und wurde auch im Hause Buff gastlich aufgenommen. 1781 heiratete er die jüngere Schwester von Lotte, Lenchen Buff. Als Justizrat und Kastner verlebte er glückliche Jahre mit ihr in Oberferrieden bei Nürnberg, von wo aus er seine juristische Doktorwürde in Erlangen erwarb. In seinen Mußestunden verfasste er dort die drei Bände ,Freymüthige Aufsätze' (1783) und andere juristische Schriften, die er veröffentlichte.

1788 erhielt er einen Ruf des Fürsten von Nassau-Weilberg als Kanzleidirektor nach Weilburg. Schwere Schicksalsschläge sind dort über ihn hereingebrochen: Plünderung der Stadt durch den Revolutionsgeneral Custine 1792 und im selben Jahr Krankheit und Tod seiner Frau Helene, die an den Folgen der Geburt des achten Kindes starb, und schließlich der Tod dieses Kindes.

Nach einer kurzen, kinderlosen Ehe mit Luise Schellenberg, Tochter des Rektors in Weilburg, verlor er auch diese schon 1794. Auf einer Reise nach Weimar lernte er die junge Hofdame der Herzogin, Johannette Sophie von Hert aus Darmstadt kennen und fasste bald den Entschluss, sie zu heiraten. Sophie bat sich jedoch vorerst Bedenkzeit aus, ob sie bei ihrem Alter (erst 21 Jahre) ,gleich Mutter von 7 Kindern zu werden, im Stande sey'. Es fand aber weiter ein reger Briefwechsel statt und im Jahre 1795 am 22. Juni wurde die Ehe geschlossen, die von Herder in Weimar im Haus des Amtmanns Ridel eingesegnet wurde.

In Weilburg blieb Cella bis 1796, dann begab er sich ,der Beschwerden des französischen Krieges, durch den auch das Lahntal in Not und Schrecken versetzt wurde', müde, wieder nach Ansbach, wo er die Stelle eines Kreisdirektors in Schwabach erhielt.
Nach dem Übergang von Ansbach und Bayreuth von Brandenburg an Bayern 1806 war er königlich-bayerischer Regierungs- und Konsistorialrat in Ansbach, wo er am 30. November 1820 starb. Er hatte acht Kinder aus erster Ehe und sechs Kinder aus dritter Ehe, von denen jedoch mehrere in jungen Jahren starben.

Einst schrieb er einem Freunde:

,Wenn ich einst satt gelebet habe,
Gib Himmel, dass bey meinem Grabe
die Liebe und Freundschaft Rosen streun!
Lass mir das Glück, ich sey geliebet,
dass sich um mich ein Freund betrübet,
Einst meines Lebens Nachruhm seyn!'

Dieser Wunsch scheint sich erfüllt zu haben, denn in einer Grabrede nach seinem Tode heißt es:
,Eine Witwe, 9 Kinder und 4 Enkel betrauern den guten redlichen Gatten und Vater und Großvater. Seine Freunde betrauern den Freund und ehren mit Pietät seine strenge Rechtlichkeit und seine männliche Freymüthigkeit!'

Und diese letzten Tugenden sind ja auch deutlich in seinen ,Freymüthigen Aufsätzen' zu erkennen, aus denen Auszüge in einem Buch erscheinen, das sich im Nachlass meines Mannes, des Arztes Dr. Georg Cella, befindet, der ein Urenkel des Johann Jakob Cella war. Das Buch erschien in Ansbach ,in des Commercien-Commissair Benedict Friedrich Haueisens privilegierten Hof-Buchhandlung 1784'."

So weit die Aufzeichnungen von Margarethe Cella. Wer es "offizieller" möchte, sei an dieser Stelle auf die Allgemeine Deutsche Biographie, Bd.4, S.79, verwiesen. Der Eintrag über den "bairischen Juristen corsischer Abkunft" kann auch im Internet eingesehen werden bitte hier klicken.

Herr Walter Edelmann hat uns freundlicherweise berichtet, dass sein Ururgroßvater, Johann Christoph von Edelmann, eine Tochter von Jakob Cella geheiratet hat. Es handelt sich dabei um Friederike Wilhelmine Luise Cella, geb. 28. 1. 1808 in Schwabach, gestorben 16. 2. 1893 in München. Sie entstammt der dritten Ehe zwischen Cella und Johannette Sophie von Hert.

Johann Jakob Cella wurde auf dem Friedhof Heilig Kreuz (Stadtfriedhof) in Ansbach/Mittelfranken begraben. Das Grab ist noch erhalten, der Grabstein wurde 2006 restauriert.
In der Stadt Schwabach bei Nürnberg erinnert die Cellastraße an diesen bemerkenswerten Mann.

Cella-Straße in Schwabach

 

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Portrait

Mattheo Cella (Johann Jakobs Vater)
 

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Letzte Überarbeitung dieser Seite: August 2017

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